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Wasserhahn

Ein Ingenieur blickt immer durch

Ich verstehe ja von vielem nichts. Aber von Technik, da verstehe ich etwas. Nicht umsonst mühte ich mich an der Ingenieurschule – wie die damals noch hiess – ab. Ein Ingenieur ist einer, der weiss, wie der technische Hase läuft. Der findet immer den passenden Knopf, der zieht am entscheidenden Hebel, der rechnet immer richtig und wenn einmal nicht, dann richtig falsch. Mit diesem Durchblick macht jeder Tag Spass in unserer immer komplexeren und technologisierteren Welt.

Alles klar für unseren Hund

Bis zum letzten Jahr. Da ging mir mein ganzes technisches Selbstvertrauen in die Brüche. Und das nicht etwa, weil ich an der Berechnung einer Satellitenflugbahn im Erdorbit scheiterte. Nein, ich verlor den Kampf mit der Sanitärtechnik, die eigentlich gemacht ist für den Alltag. Alltagstechnik,  mit der das Kleinkind umgehen kann, bevor es die ersten Worte spricht. Sogar unser Hund – wenn wir einen hätten – wüsste intuitiv, wie er sie bedienen müsste, um seinen Wassernapf zu füllen.

Nur mich überforderte sie ganz offenbar. Den ersten Knack verpasste mir ein Sanitärdesigner, der herausgefunden hatte, dass es für die Lavabo-User viel hipper ist, wenn sie mit einem einzigen eineinhalb Zentimeter langen Joystick die Wassertemperatur und gleichzeitig die gewünschte Wassermenge regulieren können. Er hatte Recht! Nach der ersten Übungsstunde war mein Fingerspitzengefühl so weit gediehen, dass schon etwas Nass aus dem Hahn floss. Nach einer weiteren Stunde hatte dieses dann sogar eine Temperatur, wenn auch nicht die angestrebte.

Sterne ­­– wie am Kühlschrank

Den zweiten Tiefschlag verpasste mir ein so richtig teures Hotel, das mich für eine einzige Nacht beherbergte. Ein Blick ins Badezimmer liess mein Herz höher schlagen. Alles war ganz schlicht gestaltet. Erleichtert packte ich den äusserst funktionalen Hebel, mit dem ich das Wasser weich und dosiert in die wohlgeformte Keramikschüssel perlen liess. Schön! Nun die Lektion 2: Warmes Wasser. Vergebens suchte ich nach einem Regler. Scharfsinnige Gedanken funkten durch mein Hirn: Läuft das alles mit einer Fotozelle? Braucht es eine warme Handbewegung, um die Mischbatterie zu aktivieren? Oder vielleicht Spracherkennung? „Warmes Wasser! Warmes Wasser!! WARMES WASSER!!!“

Das ernsthaft besorgte Gesicht meiner Frau erschien in der Badezimmertür. Oder gibt’s vielleicht ein Warmwasser-App für die Bedienung via Smartphone, das man auf der Hotel-Homepage herunterladen kann? Ich wollte es nicht wissen und wusch mich mit kaltem Wasser. Am nächsten Morgen sprangen mir die Sterne über der Rezeption in meine Augen. Die sehen aus, wie bei unserem Kühlschrank. Bedeuten die dort nicht ebenfalls: je mehr Sterne umso kälter?

Wir sind ja nicht in der Schweiz

Diese Erlebnisse hatte ich schon fast vollständig verdrängt. Kalt hatte ich auch nicht mehr. In der brütenden italienischen Sommerhitze bezog ich mit Frau und Kindern unseren Maxicaravan auf einem venezianischen Zeltplatz. Alles war vorhanden, was man so braucht: Kochnische, Kühlschrank, Klimaanlage. Als erfahrener Schwachstromcamper wusste ich: Das Ferienglück ist erst dann perfekt, wenn auch alles funktioniert. Wir sind ja nicht in der Schweiz… Deshalb Kontrolle: Kühlschrank, kalt. Gasherd, springt an. Klimaanlage, läuft.

Alles bestens! Alles? Nur noch schnell einen Blick ins Badezimmer werfen. Ich bin beeindruckt. Ich hätte es nicht für möglich gehalten, dass sich eine Duschkabine, ein Lavabo und ein WC in einem ungefähr besenschrankgrossen Raum unterbringen lassen. Aber was sage ich Duschkabine? Duschtraumwelt wäre treffender. Verschiedene Knöpfe waren da, um die zahlreichen unterschiedlichen Düsen in Wand, Boden und Decke spielen zu lassen. Da ich wegen der Hitze sowieso nicht viel mehr als die Shorts anhatte, wagte ich es sogleich, an einem der Knöpfe zu drehen. Nichts! Dann halt ein anderer. Nichts! Aha, dann ist es der Drehschalter hier. Nichts! Auch in allen für mich denkbaren Kombinationen konnte ich keiner Düse und Brause dieser Dusche auch nur einen Tropfen Wasser entlocken.

Mühsam, dass die es nicht schaffen

Nun meldete sich der Ingenieur in mir. Klar, hier ist der Haupthahn für unser Häuschen noch nicht geöffnet. Eine Sicherheitsmassnahme bei diesen leicht improvisierten Wasserzuleitungen. Verständlich, aber dennoch mühsam, dass die es nicht schaffen, einen wirklich funktionierenden Feriencontainer bereitzustellen. Gut, wenn sie es nicht anders wollen, muss halt jemand vorbeikommen und den Haupthahn öffnen.

Fünf Minuten nach meinem Anruf brauste schon das Service-Strandmobil heran. Ein immer freundlicher graumelierter Universaltechniker schwang sich aus dem Wagen, begleitete mich mit seinem leicht müden, wenn nicht schon fast traurigen Gang in den Badebesenschrank. Mit einem leicht mitleidigen Blick griff er zum Haupthebel und liess es brausen. Meine Entschuldigungsversuche kamen nicht wirklich an. Ich hörte nur noch etwas im Sinne von: „Für solche Gäste bin ich ja da.“

Kürzlich überraschte ich meine Tochter zu Hause am Stubentisch, wie sie über farbigen Prospekten mit lächelnden Senioren brütete. „Betreutes Wohnen für Männer über 53! Wir helfen Ihnen, wenn es alleine nicht mehr geht.“

reformierte presse

Gottesdienst als Lustkiller

Die Ausgabe der „reformierten presse“ vom 6. November thematisiert den Bericht zur Visitation 2013-2015 der Reformierten Kirche Baselland. Teile des Kommentars kann ich so nicht stehenlassen. Deshalb mein Leserbrief.

Meinung


Mein Leserbrief in der „reformierten presse“ vom 20. November 2015:

Zu: Tu Gutes und rede darüber! (RP 45)

Gottesdienst als Lustkiller

Die Autoren des Visitiationsberichts der Reformierten Kirche Baselland empfehlen den Kirchgemeinden, sich aktiv um Kircheneintritte und –wiedereintritte zu bemühen. Wie Marianne Weymann hervorhebt, sollen wir Reformierten über das reden, was uns wichtig ist; den Menschen in unserem Umfeld zeigen, was unsere Kirche zu bieten hat.

Ihre Aussage „Wer einen Gottesdienst besucht, wird aller Wahrscheinlichkeit nach die Kirche nicht von ihrer besten Seite erleben und wenig Lust verspüren, noch einmal zu kommen.“ irritiert mich aber sehr.

Sicher, ich war auch schon in Gottesdiensten, bei denen ich danach froh war, dass ich das dort Gehörte und Erlebte – oder vielleicht auch das Nichterlebte – nur mir erklären musste. Der Umstand, dass ich an diesem Sonntagmorgen wieder niemand Kirchenfremdes zum Gottesdienst eingeladen hatte, sorgte deshalb in solchen Momenten eher für Erleichterung als für ein schlechtes Gewissen.

Stellen wir uns aufs Lichterlöschen ein
Wenn es aber wirklich so ist, dass wir uns für unsere Gottesdienste schämen müssen, werden wir auch mit hochkarätigen Podien und beeindruckenden Konzerten die Überalterung und den Mitgliederschwund nicht stoppen können. Dann stellen wir uns besser auf das baldige letzte Lichterlöschen ein.

In einer lebendigen Kirchgemeinde findet Kirche nicht nur am Sonntagmorgen statt. Viele entscheidende Impulse und Erlebnisse kommen aus den vielen Angeboten an den übrigen sechs Tagen – so auch aus dem hochkarätigen Podium oder dem beeindruckenden Konzert.

Kirche von der besten Seite erfahren
Dennoch – oder gerade deswegen – erlebe ich aber in unserer Kirchgemeinde: Zentrum des Gemeindelebens bleibt der Gottesdienst. Kirche lässt sich dort immer wieder von der besten Seite erfahren – auch von kirchendistanzierten Person.

Gottesdienst als Lustkiller

Reservation

Eskalierende Identitätskrise

 

Wer bin ich überhaupt? Wozu bin ich auf und in dieser Welt? Aha, werden einige Schlaue nun denken. Den hat es erwischt. Klarer Fall. Midlife-Crisis. Der hat sicher schon alles erreicht im Leben und nun die grosse Leere. Schöne Frau, topgescheite und gutgelungene Kinder, grosse Villa, Superjob im Finanzbereich und für den Rest des Lebens ausgesorgt.

Alles erreicht?

Zwar eine naheliegende Beurteilung, aber sicher falsch. Jedenfalls in einzelnen Punkten. Erstens bin ich schon fleissig daran, dem eigentlichen Krisen-Zielpublikum altersmässig zu entfliehen. Dann liegt zweitens für mich die Midlife-Crisis-Problemlösung schon seit einigen Jahren pfannenfertig bereit. Erprobt durch einige meiner mittelalterlichen und männlichen Kollegen und Freunde: Da muss ein richtiger Töff her. Nicht einfach ein Motorrad – und sicher kein Roller. Nein, eine funkelnde, kraftstrotzende Maschine im vierstelligen Kubikbereich. Da wäre man wieder jemand, nach dem sich alle umdrehen würden, auf den man mindestens selber stolz sein könnte.

Mein Doppelgänger Walti

Aber drittens ist das Problem viel komplizierter. Es reicht nicht, dass ich schon seit Jahren regelmässig mit meinem Doppelgänger – nennen wir ihn Walti – verwechselt werde. Manchmal ist die Verwechslung offensichtlich und ich kann sie im Ansatz sofort klären. Dann gibt es aber Leute, mit denen führe ich die interessantesten und engagiertesten Gespräche, bis ich plötzlich merke, die sprechen ja gar nicht mit mir. Die sprechen mit Walti. Aber auch damit habe ich in all den Jahren langsam aber sicher leben gelernt.

G-R-Ö-F-L-I-N

Genug ist aber genug. Bröblin oder Bräblin soll ich nun heissen. Dabei hat meine Frau am Telefon den Namen klar und deutlich artikuliert. G-R-Ö-F-L-I-N. G wie Gustav, R wie Radrennen, Ö wie Öffentlicher Verkehr, F wie Fritz, L, I, N. GGRRÖÖÖFFLIN! „Alles klar“, tönte es am anderen Ende der Leitung. „Der Tisch wird reserviert. Bis morgen, Frau Bröblin“.

Einen gewissen Stolz darf man haben

Gräflein, Gräflin, Wölflin, Gröslin, Rösslin, Rösli. Mit all diesen Namen lebe ich schon lange und gut. Aber nicht BRÖBLIN! Man darf doch noch einen gewissen Stolz haben.

Einfach Peter

Wenn schon niemand meinen Familiennamen erkennen oder sich merken kann, dann nehmt doch wenigstens den richtigen Vornamen. Einfach Peter. Sicher schon mal gehört. Peter, der Universal-Männervorname aus den 50er- und 60er-Jahren. So heissen alle mit natürlicher Glatze oder grauen Haaren. Wobei, wenn ich mir das so richtig überlege, ist das eine wirkliche Lebensperspektive?

Ausweg aus der Krise

Leben mit einem Vornamen, wie ihn jeder Mann in meinem Alter trägt, und einem Familiennamen, den alle entweder nie verstehen oder sofort wieder vergessen. Wird mich das aus meiner Identitätskrise führen?

Nein, kaum. Dann nennt mich doch lieber Walti Bröblin.

#SagesderSchweiz

Sag es der Schweiz

Manchmal geht es rasch. Bei einem gemütlichen Espresso an einem Spätsommer-Sonntag bin ich in der „Schweiz am Sonntag“ auf diese Aktion der Schweizer Medien gestossen. Sag es der Schweiz per Twitter und somit mit maximal 140 Zeichen.

Aber was? Und da war schon die Idee. Twitter hat und bietet viele Möglichkeiten. Kommunikation nur mit Tweets – fürchterlich!

Und plötzlich bist du in der NZZ

Deshalb habe ich diesen Gedanken oder meinen Tweet an die Schweiz in mein Smartphone getippt. Einige Wochen später kam er dann wieder in der NZZ zum Vorschein. Seither ist er mir noch im Blick am Abend, in der Schweiz am Sonntag, in 20minuten friday und im Beobachter begegnet. Ich lasse mich überraschen, ob es dieser Tweet noch in weitere Medien schafft.

Sag es der Schweiz

 

 

 

 

 

 

 

Und so sehen die roten Zeitungsseiten aus, die in den diversen Schweizer Medien anzutreffen sind.

Vaudevoise

Mein Französischlehrer hatte keine Ahnung

 

Da war er wieder. Neulich. Dieser TV-Spot, der seit 2012 offenbar erfolgreich läuft, mich aber immer wieder etwas an den Werbestrategen und ihren Auftraggebern zweifeln lässt. „Ich bin Vaudevoise!“ Wie ich jeweils zu sagen pflege: „so richtig aus dem Leben gegriffen“.

„Freude herrscht“

Der Wunschtraum jedes Versicherungsmanagers. Ein Kunde, der sich so an seiner Versicherungspolice freut, dass er im Überschwang seinen eigenden Namen vergisst und sich stattdessen nach seiner Versicherung nennt. Da glaubt wirklich einer, irgendjemand glaubt, dass es irgendjemanden gibt, der das aus eigenem Antrieb sagt, aus lauter Begeisterung und bewahre, ohne dass Geld im Spiel ist.

Ich bin auch Zweifel Chips

„Ich bin Vaudevoise“. Nein. Eher bin ich Zweifel Chips. Das könnte ich mir nach einem emotionalen Fussballfernsehabend vorstellen. Oder: „ich bin Feldschlösschen“. So ganz im Sinne von, „wes das Herz (oder vielleicht auch anderes) voll ist, des geht der Mund über“ (Mat. 12, 34). Aber: „ich bin Vaudevoise“?

Starke Affinität zur französischen Sprache

Wenn schon müsste ich etwas holprig sagen, ich bin Neuchâtelois. Zwar ist nur ein Viertel davon wirklich echt. Dieses verdanke ich meinen Urgrosseltern, die auf der Suche nach Arbeit von Le Landeron NE her kommend in Maisprach BL heimisch geworden sind. Also bin ich quasi ein Teilromand.

Vor meinem Französischlehrer konnte ich das während der ganzen Schulzeit geschickt verbergen. Meine starke Affinität zur französischen Sprache ist vermutlich durch die zu dominanten Einflüsse meines Baselbieter Umfelds verdeckt worden.

Corporate Identity

Ich bin nicht Vaudevoise. Ich bin aber auch nicht Bâloise. Obwohl dies mein Versicherer und Arbeitgeber ist. Quasi mein Beschützer und Ernährer. Es gab auch schon Phasen, in denen da über die Corporate Identity nachgedacht und dann erwartet wurde, dass sich jedes Kadermitglied einen blauen Bâloisehaken ans Revers heftet, am liebsten Tag und Nacht. Das fand ich dann doch etwas überflüssig. Wenn sogar 25 Jahre beim selben Arbeitgeber nicht reichen, die Identifizierung mit dem Unternehmen glaubhaft auszudrücken, klappt es auch nicht mit einem blauen Zwangs-Anstecker.

Ich bin Baselland

Baselbieter Politikerinnen und Politiker (gewählte, abgewählte, noch nicht gewählte und sicher auch nie gewählte) haben in den letzten Jahren vermehrt Gefallen daran gefunden, sich den Rotstab anzuheften. Auch schon bevor über ein oder zwei Basel diskutiert, gestritten und abgestimmt wurde. Warum nicht?

Dem flüchtigen Blick auf’s Revers ziehe ich aber immer noch den etwas längeren Blick und das Hinhören auf die Worte und Taten unserer Land-, Regierungs-, National- und Ständeräte vor.

Da finde ich halt manchmal beim besten Willen trotz rotem Baselbieterstab kein „Ich bin Baselland“. Höchstens ein „Ich bin Wirtschaft“ oder ein „Ich bin Hauseigentum“. Und manchmal auch nur ein „Ich bin Ich und nochmals Ich“.

Kirchen mit Riesenrad

Sola steht nicht nur für Sommerlager

Neulich weckte mich der Pfarrer im Sonntagsgottesdienst schon bei der Begrüssung aus meiner leicht schläfrigen Andacht. Mit den Worten „Liebe Festgemeinde“ wandte er sich an mich und die zahlreichen Gottesdienstbesuchenden in den Bänken vor und hinter mir. Wenn wir eine Festgemeinde sind, musste auch irgendwo ein Fest sein, kombinierte ich trotz sonntäglicher Morgenstunde schon recht scharf. Aber wo? Aufgefallen war mir aber noch nichts. Auf dem Weg zur Kirche musste ich auf dem Dorfplatz von Gelterkinden nur – wie seit Wochen üblich – Bauabschrankungen, sicher aber keine Festbänke umkurven. Auch war dort nicht der obligate Bierkühlwagen zu sehen. Wenn also Fest, musste es eher eine trockene Sache sein. Doch schon bevor ich mit meinen eher mässig blitzschnellen Gedanken zum Ziel kam, wurde das Rätsel durch den Begrüssenden selber aufgelöst.

Wir feiern Reformationssonntag! Stimmt. Am ersten Sonntag im November suchen die Reformierten nach ihren Wurzeln. Nur, wo sind diese zu finden? Unser Pfarrer muss wohl geahnt haben, dass ich da eine gewisse Anschubhilfe brauche und liess uns „Ein feste Burg ist unser Gott singen“. Klar. Der Reformator Martin Luther hat da sicher eine nicht zu vernachlässigende Rolle gespielt. Bei Luther denke ich zuerst an seine 95 Thesen, die er dem Erzbischof als Gedankenanstoss schickte. Je nach Ansicht der Historiker soll er diese sogar eigenhändig an die Türe der Schlosskirche in Wittenberg gehämmert haben. Dabei hat er nicht nur die Regeln seines Chefs missachtet, sondern auch die der Präsentationstechnik. Nichts von maximal sieben Punkten. Nein, 95 Punkte! Das tönt kompliziert, ist aber viel einfacher.

Das ganze reformatorische Konzentrat steckt in vier Punkten, im „vierfachen Allein“:

Sola scriptura – allein durch die (Heilige) Schrift
Solus Christus – allein Christus
Sola gratia – allein aus Gnade
Sola fide – allein durch Glauben

Zugegeben, das habe ich zum Teil dem aktuellen Kirchenboten und Wikipedia abgeschrieben. Meine Lateinischkenntnisse beschränken sich auf einige Asterix-Zitate und vielleicht ein paar hängengebliebene Sätze aus dem Kirchenchor-Repertoire.

Nur vier Punkte.

Reicht das für eine Kirche im 21. Jahrhundert?

Da braucht es doch noch ein Kirchengesetz, ein Kirchendekret, diverse Regierungsratsbeschlüsse, ein Dekret der Stiftung Kirchengut, ein Reglement der Stiftung Kirchengut, eine Verfassung der Kantonalkirche, eine Verfassung des Kirchenbundes, eine Kirchenordnung, ein Reglement betreffend unvollständige Kirchenpflegen, ein Reglement betreffen Segnungsgottesdienste, eine Finanzordnung, ein Reglement zu den Kirchensteuern, Richtlinien zu den Steuern der juristischen Personen, ein Reglement betreffend den Finanzhaushalt der Kirchgemeinden und die Oberaufsicht der Landeskirche, ein Reglement betreffend der Berechnung des Finanzausgleichs, Richtlinien zum Portfoliomanagement, ein Reglement betreffend Übernahme von Stellvertretungen und kantonalkirchliche Aufgaben durch überdotierte Kirchgemeinden, eine Personal- und Besoldungsordnung, ein Reglement betreffend die Weiterbildung und die Supervision, ein Reglement betreffend Weiterbildung und Supervision bei pfarramtlicher Langzeitstellvertretung, Richtlinien betreffend die Förderung und die Anerkennung der Freiwilligenarbeit, ein Reglement betreffend die Teilämter im Pfarramt, ein Konkordat betreffend die gemeinsame Ausbildung der evangelisch-reformierten Pfarrerinnen und Pfarrer und ihre Zulassung zum Kirchendienst, eine Ausbildungsordnung, eine Prüfungsordnung, Ausführungsbestimmungen zur Prüfungsordnung, eine Ordnung für die Entwicklungsorientierte Eignungsabklärung und das Mentorat, ein Reglement betreffend die Befreiung von der Wohnsitzpflicht, Richtlinien betreffend die Anstellung von Organistinnen und Organisten, den Anhang l a zu den Richtlinien betreffend die Anstellung von Organistinnen und Organisten, den Anhang l b zu den Richtlinien betreffend die Anstellung von Organistinnen und Organisten, den Anhang ll zu den Richtlinien betreffend die Anstellung von Organistinnen und Organisten, den Anhang lll zu den Richtlinien betreffend die Anstellung von Organistinnen und Organisten, die Berufsethische Selbstverpflichtung für die Mitglieder des Pfarrkonvents, die Kammerordnung der reformierten Landpfarrer des ehemaligen Gesamtkantons Basel, das Reglement für die Sitzungen und Geschäfte der Kammergutskorporation und der Verwaltungskommission Anhang 1 zur Kammerordnung, das Geschäftsreglement der Synode, das Reglement der Synode für Aussprache-Synoden, ein Reglement der Synode für das Verfahren vor der Rekurskommission, den Erlass der Synode betreffend den Konfirmationstermin, …

… um nur einige zu nennen. Nicht aus meiner Fantasie, sondern aus der Kirchlichen Gesetzessammlung der Evangelisch-reformierten Kirche des Kantons Basel-Landschaft.

Die brauchen wir alle in unserer reformierten Kirche!

Oder brauchen wir auch wieder mal eine Reformation?

Passieren kann immer etwas

Peter Groeflin

Es wäre fast schiefgegangen…

Ich fahre immer mit Helm Velo. Immer! Oder sagen wir: fast immer. Fast, weil damals, vor rund 17 Jahren, als ich im Notfall in Liestal auf dem Schragen sass, da hatte ich auf meiner vorangegangenen Velofahrt durchs Dorf keinen Helm auf meinem Schädel. Nur, das wusste ich in diesem Moment nicht mehr so genau.

Du musst dir keine Sorgen machen
Es war sowieso alles so anstrengend. Das Denken und auch das Telefonieren. Die Fachfrau Gesundheit – die Gute – drückte mir ein Telefon in die Hand, damit ich meine hochschwangere Ehefrau zu Hause informieren und beruhigen könne. Mein Anruf dann so ungefähr: „Schatz, du musst dir keine Sorgen machen. Ich bin da – so glaube ich jedenfalls – im Kantonsspital Liestal. Warum, das weiss ich nicht so genau. Nein, heimkommen, kann ich vorerst noch nicht. Aber, es geht mir sehr gut“.

Fast so schnell im Spital wie ich
Wirklich beruhigen konnte meine mühsam gestammelten Worte offenbar nicht. Meine Frau war nach diesem nur näherungsweise vertrauensbildenden Telefongespräch fast so schnell im Spital, wie ich zuvor  im Krankenwagen – auch ohne Blaulicht.

Seither trage ich immer einen Helm. Denn damals, als ein Auto unerlaubterweise meinen Weg kreuzte, war mein Kopf aus Eitel- oder Bequemlichkeit ungeschützt. Aber es passierte ihm nichts. Also nichts Gravierendes. Einfach Hirnerschütterung, Bewusstlosigkeit und ein derart verschürftes Gesicht, dass sich meine Kinder dies in den ersten Tagen nicht anschauen wollten. Aber wichtig ist, dass keine bleibenden Schäden zurückblieben. Ich meine, nichts so richtig Bedeutendes. In meiner Wahrnehmung jedenfalls bin ich wieder ganz der Alte. Und was meint mein Umfeld? Das lächelt milde und schweigt.

Ich bin etwas leichtsinniger
Also, wie gesagt: Seit diesem Unfall habe ich den Helm immer auf. Ob auf der Trainingsfahrt, dem Arbeitsweg, dem Weg zum Einkaufen. Immer – wenn ich auf dem Velo sitze. Nicht aber nach meiner morgendlichen Fahrt an den Bahnhof im Zug beim Zeitung lesen oder in der Migros am Gemüsestand, wenn ich dort nach roten Tomaten suche. Da bin ich etwas leichtsinniger und gehe im Gegensatz zu einiger meiner auch dort helmtragenden Hardcore-Velofreunde bewusst Risiken ein. In diesen Situationen ist es mir eher ein Anliegen, dass ich als Mitreisender, Mitkunde oder einfach Miterdenbürger wahrgenommen werde und nicht als Radfahrer in Sicherheitsmission.

Wobei – schon klar – passieren kann halt immer und überall etwas. Schon die Gallier wussten, dass einem sogar der Himmel auf den Kopf fallen kann. Das einzige Sichere dabei ist, dass dann auch der Velohelm nichts mehr nützt.