{"id":297,"date":"2016-05-06T16:21:48","date_gmt":"2016-05-06T16:21:48","guid":{"rendered":"http:\/\/www.petergroeflin.ch\/?p=297"},"modified":"2017-01-09T21:37:48","modified_gmt":"2017-01-09T21:37:48","slug":"vom-handschlag-traeumen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.petergroeflin.ch\/?p=297","title":{"rendered":"Vom Handschlag tr\u00e4umen"},"content":{"rendered":"<p>Ich sah es ganz genau. Es brauchte nicht mehr viel, bis dem Landratspr\u00e4sidenten der Geduldsfaden reissen w\u00fcrde. Doch der Redner liess sich durch die immer klarere und missbilligende K\u00f6rpersprache des Sitzungsleiters nicht beirren. \u201eEs kann doch nicht sein, dass in unserer Gesellschaft f\u00fcr einzelne Gruppierungen Regeln nicht gelten, die zu den Grundwerten unserer Kultur z\u00e4hlen\u201c. Ernstes, gewichtiges Kopfnicken einiger seiner Ratskolleginnen und \u2013kollegen best\u00e4rkten ihn darin, mit seinen Ausf\u00fchrungen weiter zu machen. \u201eGerade die Gleichberechtigung von Mann und Frau sind einer der wichtigsten, wenn nicht sogar der wichtigste Pfeiler unserer westlichen demokratischen Kultur. Der Leitkultur, die auch im unserem Kanton, unserem Baselbiet gilt.\u201c<\/p>\n<p><strong>Nicht schon wieder Therwil<br \/>\n<\/strong>\u201eStopp! Stopp!\u201c Nun hatte der Pr\u00e4sident genug geh\u00f6rt. Vehement schwang er sein Ratsgl\u00f6cklein und unterbrach mit seinem Gebimbel den Redefluss des Gesellschaftskulturk\u00e4mpfers. \u201eNicht schon wieder das Thema \u201e<a href=\"http:\/\/www.bzbasel.ch\/basel\/baselbiet\/haendedruck-regel-der-kanton-tut-sich-schwer-130243726\">Therwil<\/a>\u201c. Das besch\u00e4ftigte uns doch schon in den letzten Sitzungen zur Gen\u00fcge. Alle, die dazu etwas zu sagen hatten oder es immerhin meinten, konnten dort ihre Vorst\u00f6sse und Voten einbringen. Da gibt es in unserem Rat zurzeit nichts mehr zu diskutieren. Dieses Thema ruht nun bei unserer Bildungsdirektorin.\u201c<\/p>\n<p>Der Redner liess sich damit aber nicht zum Schweigen bringen. \u201eNein, mein lieber Pr\u00e4sident. Sie missverstehen mich. Ich rede nicht von den zwei st\u00f6rrischen Sch\u00fclern, die in Therwil ihrer Lehrerin den Handschlag verweigern. Mir geht es um die zwei B\u00fcrgergemeinden in unserem Kanton, die ihren B\u00fcrgerinnen nicht die Hand reichen und ihnen seit Jahren die Aus\u00fcbung ihrer B\u00fcrgerrechte verbieten. Die Frauen werden am wichtigsten Ereignis des B\u00fcrgerjahres &#8211; dem Banntag \u2013 als nicht w\u00fcrdig erachtet, daran teilnehmen zu d\u00fcrfen. Einzig beim Auskurieren der Banntagskater ihrer Ehem\u00e4nner ist ihre Hilfe zugelassen.\u201c<\/p>\n<p><strong>Schwarze Schafe gibt es \u00fcberall<br \/>\n<\/strong>Lautes Gemurmel machte sich im Landratssaal breit. \u201eOffenbar muss es in <a href=\"http:\/\/www.volksstimme.ch\/2016\/04\/banntag-sissach-einer-der-letzten-m%C3%A4nneranl%C3%A4sse.html\">Sissach<\/a> und in <a href=\"http:\/\/www.bgliestal.ch\/veranstaltungen\/banntag\">Liestal<\/a> den Verantwortlichen entgangen sein, dass ihre Gepflogenheiten schon lange nicht mehr mit unseren Baselbieter Prinzipien und Ordnungen kompatibel sind. Auch der Landrat, als oberster W\u00e4chter \u00fcber die Einhaltung der gesellschaftlichen Grundwerte sowie der b\u00fcrgerlichen Rechte und Pflichten in unserem Kanton, hat es offenbar bisher \u00fcbersehen, dass hier dringender Handlungsbedarf besteht. Ich fordere deshalb, dass der Regierungsrat ein neues B\u00fcrgergesetz ausarbeitet. Dieses soll alle B\u00fcrgergemeinden dazu verpflichten, allen ihren B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrgern die Aus\u00fcbung s\u00e4mtlicher B\u00fcrgerpflichten und die Wahrnehmung aller B\u00fcrgerrechte zu garantieren.\u201c<\/p>\n<p>Gerade jetzt, wo es spannend wurde, holte mich das penetrante Piepsen meines Weckers aus meinem Traum auf die Matratze der Realit\u00e4t zur\u00fcck. Ich h\u00f6rte nur noch knapp aus der Ferne, dass jemand in den Ratssaal rief: \u201eBraucht es dann f\u00fcr alles ein Gesetz? Wo bleibt unsere Freiheit?\u201c<\/p>\n<p><strong>Schon wieder am Tr\u00e4umen?<br \/>\n<\/strong>Ich setzte mich auf die Bettkante, rieb mir die Augen und wunderte mich \u00fcber die abstrusen Geschichten, die man so tr\u00e4umen kann, wenn die Nacht lang ist. Nach einigen Sekunden entwirrten sich bei mir allm\u00e4hlich Traum und Realit\u00e4t.<\/p>\n<p>Nein, ein solches Gesetzt braucht es sicher nicht! Zu wichtig sind uns Baselbieterinnen und Baselbietern Freiheit und Gleichberechtigung. Auch in Sissach und Liestal wird es ihnen wie Schuppen von den Augen fallen. Wir leben ja in der Vorzeigedemokratie Schweiz, im freiheitlichen Baselbiet und erst noch im Jahr 2016. Also nicht mehr im Mittelalter.<\/p>\n<p>Das wird sich doch sicher \u00e4ndern. Ist doch logisch\u2026 oder bin ich nun schon wieder am Tr\u00e4umen?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich sah es ganz genau. Es brauchte nicht mehr viel, bis dem Landratspr\u00e4sidenten der Geduldsfaden reissen w\u00fcrde. Doch der Redner liess sich durch die immer klarere und missbilligende K\u00f6rpersprache des Sitzungsleiters nicht beirren. \u201eEs kann doch nicht sein, dass in unserer Gesellschaft f\u00fcr einzelne Gruppierungen Regeln nicht gelten, die zu den Grundwerten unserer Kultur z\u00e4hlen\u201c. 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