{"id":286,"date":"2016-01-27T22:03:05","date_gmt":"2016-01-27T22:03:05","guid":{"rendered":"http:\/\/www.petergroeflin.ch\/?p=286"},"modified":"2017-01-02T17:25:54","modified_gmt":"2017-01-02T17:25:54","slug":"manchmal-uebertreibt-es-die-jugend","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.petergroeflin.ch\/?p=286","title":{"rendered":"Manchmal \u00fcbertreibt es die Jugend"},"content":{"rendered":"<p>Auch mir ist es aufgefallen: Ich schreibe schon wieder \u00fcbers Alter. Nicht, dass ich pers\u00f6nlich ein Problem damit h\u00e4tte. Alle werden \u00e4lter \u2013 vermutlich auch ich. Mit welcher Heftigkeit die Alterskeule aber zuschlug, \u00fcberraschte mich dann doch.<\/p>\n<p>K\u00fcrzlich ist es wieder passiert. Der Feierabendzug stand zur Abfahrt bereit. Auch ich hatte meinen Sitzplatz erobert und konnte die Stehpl\u00e4tze andern \u00fcberlassen. Da stieg auf den letzten Dr\u00fccker noch ein \u00e4lterer Mann ein. Ausser Atem von seiner Hetzerei wankte er von Abteil zu Abteil im nun fahrenden Zug langsam auf mich zu. &#8222;Es w\u00e4re doch nicht mehr als anst\u00e4ndig, wenn ihm jemand seinen Sitzplatz anbieten w\u00fcrde&#8220;, war mein Gedanke. Sicher das Beste f\u00fcr diesen Betagten und nebenbei auch eine gute L\u00f6sung f\u00fcr mich. So w\u00fcrde mir das Dilemma erspart: Anst\u00e4ndig sein, den Laptop auf dem Schoss versorgen und aufstehen oder ganz konzentriert in den Bildschirm starren und unanst\u00e4ndig ungl\u00fccklicherweise von allem um mich nichts mitbekommen.<\/p>\n<p><strong>Ich entschied mich f\u00fcr Variante 2<\/strong><\/p>\n<p>Das Dilemma blieb mir nicht erspart und ich muss leider gestehen, dass ich mich f\u00fcr Variante 2 entschied. Aus meinen Augenwinkeln heraus, sah ich ihn n\u00e4her und n\u00e4her kommen \u2013 und an mir vorbeigehen, immerhin ohne hilfesuchende Blicke auszusenden, die mein Gewissen noch zus\u00e4tzlich belastet h\u00e4tten. Ich hatte es wieder einmal geschafft! Bequem konnte ich mich weiter meinem Laptop widmen. Doch dann die \u00fcberraschende Wende: Eine junge Frau, die den Mann hatte vorbeigehen sehen, erhob sich und rief ihm nach, ob er nicht sitzen wolle. Als er nicht reagierte, ging sie ihm sogar ein paar Schritte nach und bot ihm den Platz nochmals an.<\/p>\n<p>Der Senior lehnte ab und lehnte nochmals ab. Die ganze Freundlichkeit dieser Frau verpuffte an der Abwehr des Mannes. Ich sch\u00fcttelte innerlich den Kopf und dachte mir: \u201eDa zeigt sich die heutige Jugend von ihrer besten Seite und dieser Alte kann nicht \u00fcber seinen Schatten springen und einfach dankend die freundliche Geste annehmen.\u201c<\/p>\n<p><strong>Sportlich, dynamisch und im besten Alter<\/strong><\/p>\n<p>Ein paar Tage sp\u00e4ter war bei mir wieder einmal ein Dauerlauf durch den Basler Bahnhof angesagt. Es galt, den Feierabendzug noch zu erwischen. Kein Problem f\u00fcr einen sportlichen und dynamischen Mann im besten Alter, wie ich es bin. Die S3 war wie meistens bis auf den letzten Platz besetzt. So quetschte ich mich in einen der \u00fcbervollen Eingangsbereiche. Danach schob ich mich vorsichtig Schritt um Schritt ins Wageninnere. Gl\u00fccklich, eine einigermassen ruhige Stelle gefunden zu haben, suchte ich nach meiner Lesebrille, um auf meinem Smartphone die abendlichen Neuigkeiten abzurufen.<\/p>\n<p>Meine gef\u00fchlte Dynamik drang offenbar nicht so richtig nach aussen, denn eine Sch\u00fclerin, die in ihren &#8222;Blick am Abend&#8220; vertieft war, schaute auf, sprang auf und bot mir ihren Sitzplatz ohne zu z\u00f6gern an. Ich \u2013 leicht irritiert \u2013 stammelte vor mich hin, dass ich nicht so alt sei, wie ich aussehe. Mein \u00e4usserst humorvoller Spruch drang aber nicht so richtig bis zu ihr durch. Sie stand schon im Gang und deutete mit Nachdruck\u00a0auf den leeren Sitzplatz. Vermutlich hatte sie in einem Pro Senectute-Kurs gelernt, wie man st\u00f6rrischen Senioren zu ihrem Gl\u00fcck verhelfen kann.<\/p>\n<p><strong>Manchmal muss man auch Gr\u00f6sse zeigen<\/strong><\/p>\n<p>Ich kapitulierte und setzte mich. Auch so kann man Gr\u00f6sse zeigen. Man\u00a0muss zu\u00a0seinem scheinbaren Alter stehen \u2013 oder sagen wir besser \u2013 sitzen. Wobei, was heisst da scheinbares Alter? Die Sch\u00fclerin hatte ganze Arbeit geleistet. Mit einem Mal f\u00fchlte ich mich auch so alt, wie ich nach ihrer Beurteilung aussehen musste.<\/p>\n<p>Irgendjemand muss es der\u00a0heutigen Jugend sagen, dass man es auch \u00fcbertreiben kann mit diesem Anstand.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auch mir ist es aufgefallen: Ich schreibe schon wieder \u00fcbers Alter. Nicht, dass ich pers\u00f6nlich ein Problem damit h\u00e4tte. Alle werden \u00e4lter \u2013 vermutlich auch ich. 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