Persönliches

Gottesdienst als Lustkiller

reformierte presse

Die Ausgabe der „reformierten presse“ vom 6. November thematisiert den Bericht zur Visitation 2013-2015 der Reformierten Kirche Baselland. Teile des Kommentars kann ich so nicht stehenlassen. Deshalb mein Leserbrief.

Meinung


Mein Leserbrief in der „reformierten presse“ vom 20. November 2015:

Zu: Tu Gutes und rede darüber! (RP 45)

Gottesdienst als Lustkiller

Die Autoren des Visitiationsberichts der Reformierten Kirche Baselland empfehlen den Kirchgemeinden, sich aktiv um Kircheneintritte und –wiedereintritte zu bemühen. Wie Marianne Weymann hervorhebt, sollen wir Reformierten über das reden, was uns wichtig ist; den Menschen in unserem Umfeld zeigen, was unsere Kirche zu bieten hat.

Ihre Aussage „Wer einen Gottesdienst besucht, wird aller Wahrscheinlichkeit nach die Kirche nicht von ihrer besten Seite erleben und wenig Lust verspüren, noch einmal zu kommen.“ irritiert mich aber sehr.

Sicher, ich war auch schon in Gottesdiensten, bei denen ich danach froh war, dass ich das dort Gehörte und Erlebte – oder vielleicht auch das Nichterlebte – nur mir erklären musste. Der Umstand, dass ich an diesem Sonntagmorgen wieder niemand Kirchenfremdes zum Gottesdienst eingeladen hatte, sorgte deshalb in solchen Momenten eher für Erleichterung als für ein schlechtes Gewissen.

Stellen wir uns aufs Lichterlöschen ein
Wenn es aber wirklich so ist, dass wir uns für unsere Gottesdienste schämen müssen, werden wir auch mit hochkarätigen Podien und beeindruckenden Konzerten die Überalterung und den Mitgliederschwund nicht stoppen können. Dann stellen wir uns besser auf das baldige letzte Lichterlöschen ein.

In einer lebendigen Kirchgemeinde findet Kirche nicht nur am Sonntagmorgen statt. Viele entscheidende Impulse und Erlebnisse kommen aus den vielen Angeboten an den übrigen sechs Tagen – so auch aus dem hochkarätigen Podium oder dem beeindruckenden Konzert.

Kirche von der besten Seite erfahren
Dennoch – oder gerade deswegen – erlebe ich aber in unserer Kirchgemeinde: Zentrum des Gemeindelebens bleibt der Gottesdienst. Kirche lässt sich dort immer wieder von der besten Seite erfahren – auch von kirchendistanzierten Person.

Gottesdienst als Lustkiller